Finanzwissen

Altersvorsorge – so sorgst du für deine Zukunft vor

5
Min.
1.4.2025

Viele Menschen schieben das Thema Altersvorsorge vor sich her – doch je früher du dich darum kümmerst, desto besser. Eine solide Altersvorsorge hilft dir,Altersarmut zu vermeiden, deine Rentenlücke zu schließen und im Ruhestand finanziell sorgenfrei zu leben. Klingt gut und einleuchtend – aber wie vorgehen, welche Möglichkeiten der Altersvorsorge gibt es, wie planst du deine Strategie und sind ETFs eine clevere Ergänzung?

 

Warum ist Altersvorsorge so wichtig?

 

Die gesetzliche Rente allein reicht oft nicht aus, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Die Durchschnittsrente in Deutschland liegt 1.600 Euro brutto – für Rentner*innen mit 45 Beitragsjahren (Stand 2024, WirtschaftsWoche). Unter Berücksichtigung aller Altersrenten sind es rund nur 1.100 Euro.

Deine Versicherungszeiten spielen neben der Höhe deiner eingezahlten Beiträge also eine erhebliche Rolle für die Höhe deine Rente. (Wie das deutsche Rentensystem funktioniert und wie sich deine Rente berechnet, kannst du im Blogbeitrag nachlesen.)

 

Viele Menschen verzeichnen bei Renteneintritt also einen deutlichen Einbruch von ihrem letzten Gehalt zur ersten Rente. Es ist daher wichtig, die eigene Rentenlücke zu kennen. Die Rentenlücke ist nichts anderes als die Differenz zwischen deinem letzten Einkommen und deiner erwarteten Rente. Diese Lücke zuschließen, ist enorm wichtig, um deinen Lebensstandard auch im Ruhestand beibehalten zu können.

 

Besonders Frauen sind überproportional häufig von Altersarmut bedroht. Schließlich gibt es auch bei der Rente eine Geschlechterlücke, den sogenannten Gender Pension Gap: Frauen erhalten deutlich weniger Rente als Männer – unter anderem, weil sie nach wie vor häufiger Karriereeinbußen (in Gehalt, Arbeitszeit) durch Care-Arbeit erfahren. Daher ist es umso wichtiger für sie, anderweitig vorzusorgen. Aber welche Möglichkeiten bestehen?

 

Die 3 Säulen der Altersvorsorge: Dein Fundament fürs Alter

 

Das deutsche 3-Säulenmodell der Altersvorsorge setzt sich aus diesen Bausteinen zusammen:

 

1. Gesetzliche Rente – die Basis

 

Wie eben erwähnt, wird die gesetzliche Rente durch Beitragszahlungen in die Deutsche Rentenversicherung finanziert. Sie hängt von deinen eingezahlten Beiträgen und Versicherungszeiten ab.

 

➡️ Tipp: Überprüfe regelmäßig deinen Rentenbescheid, um deine voraussichtliche Rentenhöhe zu kennen. So kannst du auch genauer deine voraussichtliche Rentenlücke bestimmen.

 

2. Betriebliche Altersvorsorge (bAV) – vom Arbeitgeber gefördert

 

Viele Arbeitgeber bieten eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) an, bei der ein Teil deines Gehalts steuer- und sozialabgabenfrei in ein Rentenprodukt investiert wird. Der Arbeitgeber übernimmt oft einen Arbeitgeberzuschuss, sodass sich das Sparen für die Altersvorsorge besonders lohnt.

ℹ️ Info: Arbeitgeber haben keine Pflicht, von sich aus eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) anzubieten, du kannst als Arbeitnehmer*in aber danach verlangen. Dann muss dein Arbeitgeber zumindest eine bAV durch Entgeltumwandlung anbieten.

 

Zu den möglichen Rentenprodukten innerhalb der bAV gehören unter anderem Direktversicherungen, Pensionskassen, Pensionsfonds, Unterstützungskassen und Direktzusagen. Jedes Modell hat unterschiedliche Regelungen hinsichtlich Besteuerung, Flexibilität und Auszahlungsmöglichkeiten.

 

3. Private Altersvorsorge – deine individuelle Strategie

 

Um deine Rentenlücke zu schließen, kannst du zusätzlich privat vorsorgen. Hier gibt es verschiedene Ansätze:

 

Riester-Rente: Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Rentenversicherung, die besonders für Familien mit Kindern und Gutverdiener attraktiv ist. Sie bietet Zulagen und Steuervorteile, setzt jedoch regelmäßige Einzahlungen voraus und unterliegt bestimmten Auszahlungsvorgaben.

 

Rürup-Rente: Diese Form der Altersvorsorge eignet sich eher für Selbstständige und Freiberufler*innen, da sie steuerlich absetzbar ist. Die Beiträge können in der Ansparphase von der Steuerabgesetzt werden, allerdings ist die Auszahlung im Rentenalter steuerpflichtig.

 

Die Private Rentenversicherung ist eine Versicherungslösung, bei der du durch regelmäßige Einzahlungen Kapital ansparst, das dir später als lebenslange oder einmalige Rente ausgezahlt wird. Sie besteht meist aus klassischen oder fondsgebundenen Versicherungen. Bei klassischen privaten Rentenversicherungen wird dein Geld sicherheitsorientiert angelegt, meist in Anleihen, wodurch du eine garantierte Rente, aber mit vergleichsweise niedriger Rendite erhältst. Bei Fondsgebundenen Rentenversicherungen wird dein Geld in Investmentsfonds angelegt – bedeutet: höhere Renditechancen, aber auch mehr Marktrisiken.

Je nach Tarif gibt es unterschiedliche Garantien und Optionen für Hinterbliebene. Diese Variante bietet mehr Sicherheit, ist aber oft mit höheren Kosten verbunden.

 

Zudem wirst du hier auch über ETF-Rentenversicherungen stolpern. Diese sind eine Sonderform der fondsgebundenen Rentenversicherung, bei der dein Geld in kostengünstige ETFs investiert wird. Sie kombiniert die Vorteile von ETFs (breite Streuung, niedrige Kosten, attraktive Renditechancen) mit den steuerlichen Vorteilen und möglichen Rentenzahlungen einer Versicherung. Sie ist flexibler als klassische Rentenversicherungen, aber du trägst das Anlagerisiko. Zudem hast du höhere Produktkosten, als wenn du selbst investierst.

 

Natürlich kannst du aber auch selbst investieren: Du musst kein „vorgefertigtes“ Produkt nutzen, sondern kannst auch selbst entscheiden und dein Geld frei investieren, zum Beispiel inImmobilien, Aktien oder Edelmetalle. Hier bist du flexibler, kannst Einzahlungen jederzeit anpassen oder pausieren, und bist weniger an Laufzeiten gebunden, musst aber womöglich auch etwas mehr Zeit reinstecken und das Anlagerisiko liegt vollständig bei dir. Dafür entfallen hohe Verwaltungskosten wie bei klassischen Versicherungen. Auch das DIY-Investieren in ETFs ist möglich, anstatt eine ETF-Rentenversicherung zu nutzen.

 

Entscheidest du dich für den „Do it yourself“-Ansatz, ist es wichtig, dass du langfristig investierst, damit sich Marktschwankungen ausgleichen und du in verschiedene Anlageklassen und Produkte investierst, um dein Risiko zu streuen, anstatt alles auf eine Karte zu setzen.

 

Berücksichtige dabei auch, wie du später dein angelegtes Geld entnehmen willst.

 

Wie viel solltest du für deine Altersvorsorge sparen?

 

Wenn du dich zu den verschiedenen Möglichkeiten informiert hast, stellt sich aber schnell die Frage, wie viel Geld du überhaupt fürs Alter beiseitelegen solltest. Recherchierst du, wirst du also Richtwert oft 10 bis 20% deines Nettoeinkommens lesen. Diese Faustregel ist nicht für jede*n realisierbar. Viel wichtiger ist, deine individuelle Situation einzubeziehen. Ermittle idealerweise zuerst deine monatliche Rentenlücke und rechne sie auf deine voraussichtliche Lebenszeit hoch – orientiere dich hier z.B. an der durchschnittlichen Lebenserwartungsdauer oder rechne noch konservativer. Du wirst schnell feststellen, dass diese Berechnung eine beträchtliche Endsumme ergibt. Diese kann erstmal ein Schock sein, hilft dir jedoch, deinen notwendigen Sparbetrag zu ermitteln.

 

Und keine Sorge! Wenn du klug investierst und noch Zeit bis zum Renteneintritt hast, kannst du dein Geld für dich arbeiten lassen, sodass du weniger Geld sparen musst, als du vielleicht beim ersten Blick annimmst.

 

Ein Beispiel:

Nehmen wiran, deine Rentenlücke beträgt 1.000€. Du gehst mit 67 Jahren (aktuelles gesetzliches Rentenalter) in Rente. Du gehst davon aus, dass du noch 16 Jahre leben wirst (*Lebenserwartung Frauen in Deutschland ⌀ 83 Jahre, StatistischesBundesamt 2025). Bedeutet: 1000€ (Rentenlücke pro Monat) x 12 = 12.000€ für ein Jahr

12.000€ *16 Jahre = 192.000€

 

Wie viel müsstest du monatlich auf dem Girokonto sparen, wenn du mit X Jahren startest?

·     Mit 25: 380,95€

·     Mit 35: 500€

·     Mit 45: 727,27€

Wie viel müsstest du monatlich bei 7% Rendite p.a. investieren, wenn du mit X Jahren startest?

·     Mit 25: 67,24€

·     Mit 35: 140,71€

·     Mit 45: 316,46€

 

Es lohnt sich, früh anzufangen. Denn so profitierst du vom Zinseszinseffekt.

 

Altersvorsorge ab 40 oder 50 – ist es zu spät?

 

Für die Altersvorsorge ist es nie zu spät. Denn es ist immer gut, etwas zurück zu legen und fürs Alter vorzusorgen. Aber du musst natürlich mehr Geld pro Monat beiseitelegen, also höhere Sparraten wählen, um deine Rentenlücke möglichst gut zu schließen.

 

 

Fazit: Altersvorsorge ist eine Mischung aus Strategie und Disziplin

 

Es gibt nicht die eine beste Altersvorsorge – sondern eine Kombination aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge. Je früher du startest, desto besser. Achte auf Kosten, Flexibilität und den Zeithorizont, den du zur Vorsorge zur Verfügung hast. Prüfe regelmäßig deine Strategie und passe sie and eine Lebenssituation an, damit du sorgenfrei in Rente gehen kannst.